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Anglistik SoSe 08

GCSC-DoktorandInnenenringvorlesung
„Schlüsselthemen der Anglistik“



SoSe 08
Leitung: Prof. Dr. Ansgar Nünning und Prof. Dr. Wolfgang Hallet / DoktorandInnen des GCSC
Mi 12-14, Phil I; ECTS 2,5




In der Ringvorlesung „Schlüsselthemen der Anglistik“ stellen DoktorandInnen des GCSC Schlüsselthemen und Hauptgebiete der Anglistik für Studierende der JLU vor.

Ziel der Vorlesung ist es, Ihnen als Studierenden Überblickswissen zu zentralen Themen und Gebieten der anglistischen Literatur- und Sprachwissenschaft aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive zu vermitteln. Die in einem wöchentlichen Rhythmus stattfindende Vorlesung eignet sich daher ideal als Grundlage für die Themenfindung von Hausarbeiten (bzw. Abschlussarbeiten) und zur Prüfungsvorbereitung. Mit dieser Vorlesung profitieren Sie direkt von der intensiven Forschungstätigkeit am GCSC: die Doktorandenausbildung wird zu einem wichtigen Motor der Lehre.


Module: Introduction to Cultural Studies (A 3) & Cultural Studies (A 3)

BA Sprache, Literatur, Kultur
BA Neuere Fremdsprachen und Fremdsprachendidaktik
BA Moderne Fremdsprachen, Kulturen und Wirtschaft Lehramtsstudiengänge L1, L2 und L3

Inhalt




Literatur und Kultur des englischen Modernismus


Im Rahmen dieser Auftaktsitzung der Ringvorlesungsreihe soll Ihnen ein systematischer Einblick in die literatur- und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge des English (Literary) Modernism vermittelt werden. Dabei sollen nicht nur die einzelnen Phasen, Strömungen und Tendenzen dieser mitunter schwer definierbaren Epoche systematisiert, sondern auch in Beziehung zu den Kulturthemen der Zeit betrachtet werden: Die 1920er und 1930er Jahre waren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges geprägt von einem verschärften Krisenbewusstsein, dem Zusammenbrechen stabiler Werte- und Normensysteme und dem Zweifel an der Möglichkeit objektiver Erkenntnis und Sinnstiftung. Die literarischen Experimente modernistischer Autoren (z.B. Virginia Woolf, James Joyce, Henry James) die sich vor allem durch die Psychologisierung, Subjektivierung und Fragmentarisierung der Erzählweise, sowie der Erschließung neuer Themenbereiche auszeichnen, sollen in dieser Vorlesung anhand exemplarischer Textauszüge vor dem Hintergrund dieser spezifischen kulturellen Transformationsprozesse erörtert werden.

Meike Hölscher Meike Hölscher studierte in Gießen "Neuere Fremdsprachen und Didaktik" (Hauptfach Anglistik/Nebenfach Hispanistik) und machte im Mai 2006 ihren Abschluss als „Diplom-Sprachenlehrerin“. Seit Juni 2006 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich Erinnerungskulturen und untersucht dort in einem von Prof. Dr. Ansgar Nünning geleiteten Teilprojekt „Prozesse und Funktionen der Ausformung von Großbritanniens imperialer Erinnerungskultur im 19. Jh.“. Seit Oktober 2006 ist sie zudem Mitglied des Internationalen Promotionsprogramms "Literatur- und Kulturwissenschaften" IPP) und untersucht im Rahmen ihrer Dissertation verschiedene Formen und Funktionen literarischer Repräsentationen von Gedächtnis und Erinnerung in Werken des englischen literarischen Modernismus.






Zur literarischen Verhandlung nationaler Identität in Werken von W.B. Yeats, James Joyce und Seamus Heaney


Die Vorlesung ist als Hinführung zum kulturwissenschaftlichen Thema „Nationale Identität“ konzipiert. Es werden dazu aber nicht nur theoretische Überlegungen referiert, sondern diese auch literaturwissenschaftlich fruchtbar gemacht. Zu diesem Zweck nimmt die Vorlesung Werke von drei der prominentesten irischen Autoren – W.B. Yeats, James Joyce und Seamus Heaney – in den Blick. Es soll danach gefragt werden, wie in diesen Texten und durch diese Texte eine kulturelle irische Identität verhandelt wird.

Uwe Mayer Uwe Mayer (geb. am 9. August 1981, Jena) studierte nach seinem Abitur (2000) Englische Philologie und Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen und am King’s College London (Abschluss:Magister Artium). Seit Oktober 2007 promoviert er als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes am International Graduate Centre for the Study of Culture in Gießen mit einer Arbeit zu "Mythosdiskurs und Mythosrezeption: Der Mythos als Fremdheitstopos in der englischsprachigen Literatur“.










Die komparatistische Imagologie als Ansatz für die Untersuchung nationaler Selbst- und Fremdbilder. Deutschlandstereotype in englischen Medien von 1890 –1918


Schotten sind geizig, Südländer impulsiver als Nordländer und Engländer können nicht kochen – solche oder andere nationale Zuschreibungen halten sich auch im Zeitalter der Globalisierung hartnäckig in unseren Köpfen, obwohl wir häufig persönlich bestenfalls eine Handvoll Leute der so holzschnittartig charakterisierten Länder kennen. Dass solche Bilder der ‚Anderen’ ihren Ursprung weniger in der Realität als in literarischen Texten und anderen Medien haben, ist eine der grundlegenden Prämissen der Imagologie, einem Forschungszweig der literaturwissenschaftlichen Komparatistik, der sich in den Kulturwissenschaften mittlerweile einen festen Platz gesichert hat und ein sowohl für Prüfungen als auch Abschlussarbeiten von Studierenden immer wieder gern gewählter Ansatz ist. Ziel der Vorlesung ist es zum einen, Ihnen überblicksartig die theoretischen Prämissen und Methoden einer imagologischen Erforschung kultureller und nationaler Stereotype in literarischen Texten und anderen Medien vorzustellen. Zum anderen werden die Anwendungsmöglichkeiten und die kulturwissenschaftliche Relevanz der Imagologie am Beispiel englischer Deutschlandbilder vor und während des ersten Weltkrieges erläutert, die von kriegerischen Hunnen, feindseligen Professoren und gebärwütigen Hausfrauen in den Werken Katherine Mansfields oder H.G. Wells rangieren.

Stefanie BockStefanie Bock studierte an der JLU Gießen und der Sheffield Hallam University in England Englisch und Deutsch für das Lehramt an Gymnasien. Nach Abschluss ihres ersten Staatsexamens begann sie 2006 ihre Promotion im Fach Anglistik und ein Zusatzstudium für Deutsch als Fremdsprache. Seit August 2006 arbeitet die Doktorandin als wissenschaftliche Mitarbeiterin im GGK/GCSC. Seit 2007 ist sie Mitglied im International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), unterrichtet literaturwissenschaftliche Seminare am Institut für Anglistik und ist gemeinsam mit Katharina Luh Sprecherin der GGK-Sektion „Literatur- und Kulturtheorien“.








Kognitive Narratologie als neuer Ansatz in der Erzählforschung - Zentrale Konzepte und Anwendungsbeispiele aus dem Modernismus


Was ist denn kognitive Narratologie? Das Wort Narratologie hat man wahrscheinlich schon gehört, aber was hat das mit Kognition zu tun? Sehr viel, wie dieser Teil der Ringvorlesung zeigen wird.

Die Kognitionswissenschaft erforscht menschliches Denken, Fühlen und Handeln mit naturwissenschaftlichen Methoden. Die Modelle und Ergebnisse der Kognitionswissenschaft bilden einen fruchtbaren Grund für die Gewinnung von Kategorien zur Erzähltextanalyse. Aus dieser sehr neuen Theorierichtung ist inzwischen ein äußerst produktiver Forschungszweig geworden, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Dieser Teil der Ringvorlesung vermittelt einen Überblick über die Schlüsselkonzepte der kognitiven Narratologie und will an Hand eines konkreten Textbeispiels dazu anregen, Erzähltexte mit einer neuen, spannenden Theorie zu analysieren. Um zu zeigen, dass der Anwendungsbereich der kognitiven Narratologie nicht auf zeitgenössische Erzähltexte beschränkt sein muss, werden ihre zentralen Konzepte an einem Beispiel aus dem Modernismus erläutert.

Stephan FreißmannStephan Freißmann, 1979 in Münster geboren, studierte von 1999 bis 2005 Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, Soziologie sowie Kunst- und Medienwissenschaft an der Universität Konstanz und an der York University in Toronto. Nach einem Auslandsaufenthalt in Israel promoviert er seit 2006 an der JLU Gießen im Rahmen des Internationalen Promotionsprogramms „Literatur- und Kulturwissenschaft“ (IPP) und des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) mit einem Projekt zur Darstellung von Kognition in englischer und US-amerikanischer Erzählliteratur der Gegenwart.

Experimentelles Theater und Mythendestruktion im amerikanischen Drama des 20. Jahrhunderts


In diesem Vortrag soll zunächst einmal auf die Grundformen des amerikanischen Dramas im 20. Jahrhundert, wie etwa den American mainstream realism in all seinen Erscheinungsformen, sowie die Alternativen zum Realismus, wozu beispielsweise das expressionistische Drama, das allegorische Drama oder das Drama des Absurden zählen, eingegangen werden. Nach diesem notwendigen Überblick wird ein konkreterer Blick auf eine der wichtigsten Neuentwicklungen des amerikanischen Theaters geworfen, welche sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts herausbildete: Das experimentelle Theater.

Dieses erlebte seinen bisherigen Höhepunkt speziell in den 1960er und 1970er Jahren. Eine darin oftmals behandelte Thematik ist jene der Mythendestruktion, in der bestimmte amerikanische Mythen, wie etwa der American Dream, die Besiedlung des Westens, die idyllische Kleinstadt oder der patriotische Krieg von den Autoren kritisiert und in ihren Werken explizit als negativ gekennzeichnet wurden. Dabei sollen zur Verdeutlichung bestimmte Stücke als Musterbeispiele herangezogen und besprochen werden.

André Hahn André Hahn studierte nach seinem Abitur (1998, Weilburg) Neuere englische und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft, Neuere Geschichte, Politikwissenschaft sowie vergleichende Literaturwissenschaft an der JLU Gießen. Nach seinem Abschluss (Magister Artium) promovierte er im Rahmen des Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften (GGK) bzw. des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) in der anglistischen und amerikanistischen Literatur- und Kulturwissenschaft von Mai 2006 bis November 2007.




Entwicklungen US-amerikanischer Gegenwartslyrik: Identitäten, Geschichten, Grenzüberschreibungen


Die Vorlesung soll die Entwicklungen der US-amerikanischen Gegenwartslyrik von den 1960ern bis heute darstellen. Dabei stehen drei Kerngebiete im Vordergrund, die mit jeweils zwei DichterInnen vorgestellt werden: Die Konstruktion von Identitäten in autobiographisch geprägter Lyrik bei Sylvia Plath und Li-Young Lee, die Begegnungen mit traumatischer Geschichte in der afro-amerikanischen Lyrik bei Amiri Baraka und Rita Dove, und die Berührungspunkte bzw. Grenzüberschreibungen in der experimentellen Lyrik mit der bildenden Kunst und der Performance-Kunst bei Susan Howe und David Antin. Auf diese Weise soll nicht nur das Feld dieser spannenden und dynamischen Epoche kartiert werden, sondern auch dargestellt werden, in welcher besonderen Weise Lyrik im Zusammenspiel mit der Kultur steht, und welche unterschiedlichen Lyrikerinnen und Lyriker in den letzten fünfzig Jahren in den USA arbeiten.

René DietrichRené Dietrich (geb. 1978 in Lübeck) studierte Deutsch und Englisch an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und arbeitete 2001 – 2002 als Teaching Assistant am Whitman College in den USA. Seit Herbst 2006 promoviert er am Institut für Anglistik der JLU Gießen zu dem Thema „Remembering and Revising (After) the End: US-American Post-Apocalyptic Poetry after 1945 from Ginsberg to Howe“.











American Popular Culture am Beispiel von Rap

Wieso sollte man Populärkultur innerhalb der Anglistik und Amerikanistik studieren? Anders gefragt: Was für Erkenntnisse kann man anhand von Populärkultur generieren? Diesen beiden Ausgangsfragen wird sich die Vorlesung zu nähern versuchen.

Durch die beispielhafte Analyse von Rapmusik als Quelle zum einen und die Untersuchung des weiteren Diskurses um Rapmusik zum anderen soll hier die wissenschaftliche Relevanz populärer Kulturen herausgearbeitet werden. Welche Funktion übernimmt Rapmusik zum Beispiel beim Hervorbringen von “blackness” im amerikanischen Kontext und inwiefern werden auf dieser Projektionsfläche Zuschreibungen von “race”, “class”, und “gender” verhandelt? Als bloßes “think outside the book” – also als Alternative zum Lesen “reiner schriftlicher” Texte – soll die Veranstaltung hingegen nicht verstanden werden, vielmehr sollen die Potentiale literatur- und kulturwissenschaftlichen Arbeitens produktiv miteinander ins “Gespräch” gebracht werden.

Martin LütheMartin Lüthe, geboren 1979 in Aachen, hat nach der Allgemeinen Hochschulreife (1999) im Jahre 2000 das Studium der Regionalwissenschaften Nordamerika, der Angloamerikanischen Geschichte, sowie der Geographie an den Universitäten Bonn und Köln aufgenommen. Nach zwischenzeitlichem Forschungsaufenthalt an der Emory University in Atlanta, Georgia, USA, schloss er das Magisterstudium mit einer Arbeit zum Zusammenhang von “Rapmusik und Religion” im Jahre 2006 ab. Im selben Jahr begann er mit der Promotion als Stipendiat am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zum Thema “The Body of Motown: Blackness and Whiteness in 1960s American Culture”. 2007 war Martin Lüthe zeitweise als Stipendiat des Deutschen Historischen Instituts (DHI) zu Forschungszwecken in Detroit und Washington, DC.





Zwischen (Neo)Realismus und Selbstreferenz. Erscheinungsformen und Entwicklungstendenzen des amerikanischen Romans seit 1980


Wo steht der zeitgenössische amerikanische Roman und wie verlaufen seine Entwicklungslinien? In der Vorlesung soll ein Überblickswissen über Fortführung und Wandlung von Erscheinungsformen und Funktionsmodellen des amerikanischen Romans der letzen zwei Dekaden gegeben werden. Anhand exemplarisch ausgewählter Romane werden die drei auffälligen Tendenzen einer Kontinuität des experimentierfreudigen postmodernen Erzählens, einer Reorientierung am realistischen Erzählen und dessen formale Innovationen, sowie ein zunehmendes Interesse am ethnischen Roman erörtert. Um das breite Spektrum der Romanproduktion zu schematisieren, sollen die heuristischen Pole der Mimesis und Selbstreferenz als die zwei Orientierungspunkte dienen, zwischen denen sich der einzelne Text thematisch, formal und funktionsgeschichtlich verorten lässt. Übergreifendes Anliegen der Vorlesung ist, die Zusammenhänge zwischen den jüngsten erzählliterarischen Entwicklungen und einer seit etwa 100 Jahre andauernden Ausdifferenzierung zweier dominanter Funktionen des amerikanischen Romans zu erörtern – der pragmatischen, wirklichkeitsbildenden und der ästhetischen, selbstreferentiellen.

Hanna Bingel (geb. 1979) studierte von 02/2000 – 11/2005 die Fächer Deutsch und Englisch für das Gymnasiallehramt an den Universitäten Gießen und Sheffield (England). Ab 2003 arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft bei Professor Dr. Ansgar Nünning und war nach Abschluss des 1. Staatsexamens am Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK) bzw. am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) angestellt. Seit 1/2007 ist sie Promotionstipendiatin am GCSC und schreibt ihre Doktorarbeit über Religiosität in der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur. Daneben lehrt sie an der Universität Gießen im Bereich Literaturwissenschaft und ist außeruniversitär als DaF-Lehrerin tätig.

Wanderlust? A Guided Tour of Contemporary Travel Writing


‘Travel Writing’ has recently gained a firm place as a key topic on the map of English Studies, as well as in a wide range of other disciplines in the humanities and social sciences. This lecture will demonstrate what makes the topic such a rewarding terrain to explore – for readers, students and teachers. Focusing primarily on contemporary issues and texts (and the epoch of ‘post-modernity’), we will address the contentious issues raised by a fundamentally hybrid genre (which crosses the borders of countless other genres and disciplines), and include en route in-depth readings of some of the most innovative contemporary travel writers. Our itinerary will include accompanying Bruce Chatwin to the plains of Patagonia in search of a “piece of brontosaurus”, V.S. Naipaul from Trinidad to England to India, and W.G. Sebald around the world within the borders of the English county of Suffolk. Passports, however, are not required.

Simon CookeSimon Cooke
is a doctoral candidate on the International PhD Programme in Literary and Cultural Studies at JLU Gießen, where he holds a scholarship at the International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) and a part-time post as a research assistant in the English Department. He holds a BA from Hull University and an MA from University College London. His primary area of research and teaching is on contemporary travel writing.



Der neuseeländische Roman seit 1970 – Kulturspezifische Inszenierungen von Weiblichkeit


Der neuseeländische Roman nach 1970 wurde maßgeblich von einschneidenden kulturhistorischen Entwicklungen wie der zweiten Welle des Feminismus und der sog. Maori Renaissance (ethnisch-kulturelle Bewegung der indigenen Maori-Bevölkerung in Kunst und Politik) geprägt. Da der Geschlechterdiskurs im zunehmend liberaleren gesellschaftlichen Kontext Neuseelands stetig an Brisanz gewann, stand die Erzählliteratur vor der Herausforderung, eine sich drastisch verändernde soziale Realität durch innovative Thematiken und Erzählstrategien literarisch umzusetzen. Vormals stabil geglaubte Kollektividentitäten und Geschlechtermodelle wurden in den Werken neuseeländischer AutorInnen und den Texten von Maori-SchriftstellerInnen immer häufiger hinterfragt und bisweilen dekonstruiert. Innovative Weiblichkeitsentwürfe von der Maori-Aktivistin bis hin zum sexuellen Neutrum und gender-basierte Problematiken avancierten zu einem brisanten und spannenden Themenkomplex des zeitgenössischen neuseeländischen Romans.

In diesem Zusammenhang verfolgt die Vorlesung folgende Ziele:
  • Einführung in die Epoche der neuseeländischen post-provincial period (von 1965-heute)
  • Einführung in zentrale kulturhistorische Entwicklungen dieser Epoche
  • Feminismus und Maori Renaissance
  • Einführung in die wichtigsten Strömungen und Thematiken des Romans
  • Vorstellung zentraler zeitgenössischer neuseeländischer AutorInnen
  • Exemplarische Darstellung und Analyse der kulturspezifischen Inszenierung von Weiblichkeit in ausgewählten Romanen, z.B. Keri Hulme, The Bone People (1985), Patricia Grace, Cousins (1992), Cathie Dunsford, Return of the Selkies (2007).

Katharina Luh
, geb. 31.03.1980, studierte von 2000 bis 2006 Angewandte Fremdsprachen (Anglistik, Hispanistik, Lusitanistik) und Betriebswirtschaft an der JLU Gießen. Während ihres Studiums absolvierte sie ein Auslandssemester an der University of Stirling in Schottland sowie mehrere Praktika im Bereich der kulturellen Programmarbeit u.a. am Goethe-Institut in Salvador da Bahia, Brasilien. Seit Ende 2006 promoviert Katharina Luh in der Literatur- und Kulturwissenschaft im International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC). Sie arbeitet zudem seit 2005 bei dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten in Frankfurt als freischaffende Journalistin.









The Re-Reading and Re-Writing of English Literature and Culture

The process of decolonisation and the postcolonial experience have produced a lively cultural reflection which has deeply affected our ways of perceiving and thinking about English literature and culture. On the one hand, a rich corpus of “New Literatures in English” has flourished in the ex-colonies and in Great Britain; on the other hand, theoretical frameworks have been developed in order to question the nature and impact of the pervasive power relations inherited from an imperialist past. By addressing excerpts taken from V. S. Naipaul, J. M. Coetzee, Salman Rushdie, Zadie Smith and Hanif Kureishi, this lecture will focus on the operations of “re-reading” and “re-writing” English Literature and Culture from a post-colonial perspective. Consequently, it will investigate how Post-Colonial Studies have fashioned themselves as a cross-cultural critique of discourse, literature and culture, whose aim is to challenge our familiar ways of reading texts, processes of meaning-making and modes of thought.

Eleonora RavizzaEleonora Ravizza
was born in Bergamo (Italy) in 1980. She studied at the University of Bergamo, where she got her Master Degree in Foreign Languages and Literatures (English, French and German Studies), and at the University of Missouri-Columbia. In October 2006 she joined the International PhD Programme (IPP) at JLU Giessen, where she is doing a PhD in English and American Studies. She is a fellowship-holder at the International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) since October 2007.









The changing face of sociolinguistic theory


The aim of this lecture is to give students an overview of the most important trends in socio-linguistics by looking at three major theoretical approaches. The variationist approach tries to establish links between linguistic variation and larger social categories such as socio-economic class, ethnicity, age or gender. The social network approach is different in that its focus is much more local and takes into account interpersonal relationships of speakers. In a more recent approach, linguistic variation is understood as a means of expressing common social practices and identities. Focussing on three key studies – Labov’s work in New York City, Milroy & Milroy's research in Belfast and Eckert’s study in Detroit – I will illustrate the changing focus in sociolinguistic research. I will round off the lecture by trying to show how students interested in social variation can carry out empirical research on their own as part of their final theses.

Thorsten Brato
studierte die Fächer Englisch, Unterrichtsfach Pädagogik und Erziehungswissenschaften für das Lehramt der Sekundarstufen II und I an der Universität Duisburg-Essen. Seit Dezember 2005 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Englische Sprachwissenschaft und Geschichte der englischen Sprache an der JLU Gießen. Er ist Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und Sprecher der AG Educational Linguistics im Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK). Im Rahmen seiner Dissertation befasst er sich mit Akzentvariation und -wandel in Aberdeen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in Soziophonetik, Dialektkontakt, Sprache und soziale Identität sowie Jugendsprache.







Kulturelle Erinnerung und Trauma im zeitgenössischen afroamerikanischen Roman

Im Mittelpunkt dieser letzten Veranstaltung der Ringvorlesungsreihe steht der zeitgenössische afroamerikanische Roman und die Frage, inwiefern dieser von der Inszenierung von kultureller Erinnerung und Trauma geprägt ist. Dabei wird zunächst ein Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich Literatur und kollektives Gedächtnis gegeben, um anschließend eine Theorie afroamerikanischer Erinnerungskultur(en) zu skizzieren, die auch  die Grundlage für die Interpretation exemplarisch ausgewählter Romane liefert. Die Textauswahl berücksichtigt kanonisierte Autor/innen (Toni Morrison, Charles Johnson etc.) ebenso wie hierzulande bislang weniger beachtete Schriftsteller/innen (z.B. Paul Beatty, Colson Whitehead, Alice Randall). Im Fokus steht neben den kultur- bzw. literaturspezifischen Darstellungsweisen von kultureller Erinnerung und Trauma vor allem auch das gesellschaftliche Funktionspotential dieser Romane.


Michael Basseler
, Jahrgang 1976, studierte zunächst die Fächer Englisch und Musik für das Lehramt an Haupt- und Realschulen an der JLU Gießen. Nach dem Ersten Staatsexamen 2003 absolvierte er noch ein Magister-Zusatzstudium (Englische Philologie und Musikwissenschaft) und begann, als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anglistik zu arbeiten. Im selben Jahr nahm er auch das Promotionsstudium am Internationalen Promotionsprogramm „Literatur- und Kulturwissenschaften“ (IPP) auf. Seine Promotion zum Thema „Kulturelle Erinnerung und Trauma im zeitgenössischen afroamerikanischen Roman: Theoretische Grundlegung, Ausprägungsformen, Entwicklungstendenzen“ schloss er 2007 ab.