Das Fleisch der Buchstaben: Zu Typografie und Bedeutung
Björn Ganslandt
Wie viel seiner Bedeutung verdankt dieser Absatz seiner Schriftart und dem Arrangement der Wörter auf der Seite? Die Antwort auf diese Frage berührt nicht nur den Berufsstand des Grafikdesigners, sondern hat auch weitreichende Implikationen für die Linguistik sowie die Literatur- und Editionswissenschaft. Dass diese Fragestellung erst seit einigen Jahren in diesen Disziplinen diskutiert wird, hat unter anderem mit zeichentheoretischen Traditionen zu tun, denen in dieser Sitzung nachgegangen werden soll.Dass Zeichentheorie durchaus Raum für typografische Bedeutsamkeit bietet, wird im Anschluss auf Basis der peirceschen Semiotik gezeigt werden. Abschließend soll die Problematik angerissen werden, ob der hier ins Zentrum gestellte Zusammenhang zwischen Bedeutung und Typografie tatsächlich der richtige Ausgangspunkt ist, oder ob nicht gerade die mit Typografie verbundenen Fragen nach Materialität und Medialität zu theoretischen Ansätzen jenseits von Bedeutung und damit Zeichentheorie führen.
Björn Ganslandt studierte von 2003 bis 2009 Grundlagen der Informatik sowie Sprach- undKommunikationswissenschaft an der RWTH Aachen. Außerdem ist er seit 1999 als freier Computerjournalist und Radio-Redakteur tätig. Seit 2009 betreut er den Online-Auftritt des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und promoviert dort über die Rolle von Störung in der frühen digitalen Magazintypografie.
Zwischen Raubdruck und erotischer Literatur – Der Romanmarkt des späten 17. und 18. Jahrhunderts
Katja Barthel
Mit einem quantitativen Anstieg und einer neuen Verfügbarkeit weltlicher Unterhaltungsliteratur, zu der im späten 17. und 18. Jahrhundert auch der deutsche Roman zählt, verändert sich das literarische Feld grundlegend: Neben religiösem und wissenschaftlichem Schrifttum entsteht ein neuer Markt der so genannten „Belles Lettres“, der schönen Literatur. Die Parameter dieses neuen Marktsegments sind in ihrer frühen Phase noch nicht streng reglementiert und dementsprechend durchlässig. Die Rede ist von einer ‚unkontrollierten Öffentlichkeit’, in der unter anderem Plagiate, unautorisierte Raubdrucke und erotische Publikationen frei kursieren. Die Vorlesung gibt einen Einblick in diese Situation des literarischen Feldes um 1700, indem sie die Rolle des Romans, der Romanlektüre, sowie Distributionsbedingungen bzw. Beschränkungen in Form von Zensurbestimmungen vorstellt.
Katja Barthel studierte in Leipzig und Lyon Germanistik und Kulturwissenschaften. Seit 2008 ist sie Stipendiatin des Landesforschungsschwerpunktes „Aufklärung – Religion – Wissen“ der Universität Halle-Wittenberg und assoziiertes Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und des Internationalen Promotionsprogramms „Literatur- und Kulturwissenschaft“ (IPP). Sie promoviert zum Thema „Gattung und Geschlecht: Narrative Inszenierungen von Weiblichkeit im galanten Roman um 1700“. Sie verfasste drei literatur- und kulturhistorische Publikationen zum Aufklärer Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769) und erhielt dafür den Mitteldeutschen Historikerpreis 2006.
Start- und Endtitel, Zwischentitel, Untertitel: Figurationen nicht-diegetischer Schrift im Spielfilm
Regine Leitenstern
Glaubt man, sich in einem Randbereich von Filmtheorie und Filmgeschichte zu bewegen, wenn man über das Verhältnis von Schrift und Film nachdenkt, wird man schnell eines Besseren belehrt. In seinen verschiedenen Ausformungen – sei es als Werbespot, Videoclip, Experimental-, Dokumentar- oder Spielfilm – eröffnet der Film zahlreiche und vielschichtige Möglichkeiten der Figuration von Schrift. Ausgehend von dieser Vielfalt des Schrifteinsatzes im Medium Film soll in der vierten Vorlesungssitzung zunächst das Spektrum möglicher Wechselbeziehungen von Schrift und Film beleuchtet werden. Im Anschluss an eine kurze Einführung des für diese und die nächste Vorlesung zentralen Begriffs der Diegese (Etienne Souriau) gilt das Hauptaugenmerk so genannten nicht-diegetischen Figurationen von Schrift im narrativen Spielfilm, wie sie unter anderem in Start- und Endtiteln, Zwischen- und Untertiteln Verwendung finden. Anhand von Filmbeispielen sollen dabei vor allem die narrativen Funktionen dieses Schrifteinsatzes näher in den Blick genommen und das Verhältnis der Schrift zum diegetischen Raum fokussiert werden.
Regine Leitenstern studierte nach einjährigem Auslandsaufenthalt in Montpellier und Florenz Französistik, Italianistik und Journalistik in Leipzig und Paris. Studienbegleitend arbeitete sie als freie Journalistin, Übersetzerin und Sprachlehrerin. Seit Oktober 2008 promoviert sie am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zu intra- und intermedialen Bezügen im zeitgenössischen Autorenfilm. Seit März 2010 ist sie zudem am Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) als Assistentin der Geschäftsführung des LOEWE-Schwerpunkts „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ tätig.
Funktionen von diegetischen Schriftfigurationen im Film
Vincent Fröhlich
Anknüpfend an Regine Leitensterns Vorlesung über nicht-diegetische Figurationen der Schrift im Film beschäftigt sich die folgende Stunde mit diegetischen Figurationen von Schrift im Film. Zunächst ist die eindeutige Unterscheidung zwischen nicht-diegetischer oder diegetischer Figuration zu hinterfragen: Damit der Zuschauer nicht aus der filmischen Welt herausgerissen wird, werden häufig auch nicht-diegetische Figurationen von Schrift in die Filmwelt eingebunden und erscheinen damit als Bestandteil der Diegesis. Aber es gibt auch klar zu zuordnende diegetische Schriftbeispiele: Zum Beispiel wird die Schrift von Briefen und Zeitungen und der mit ihr verbundene Schreibprozess visualisiert. Zu diesem Zweck wird der Schreibprozess durch erotische oder schockhafte Elemente aufgeladen, die Montage hebt einzelne Worte oder Buchstaben hervor, dekonstruiert oder rhythmisiert die geschriebene Sprache. Schrift und Bild können im Hinblick auf die Gesamtaussage des Films verschiedene Wechselbeziehungen zueinander eingehen und einander widersprechende, unterstützende oder kontextualisierende Funktionen haben. Experimentelle Filme eines Greenaway oder Fassbinder fordern außerdem die selbstständige Verknüpfung aus Schrift und Bild, die teilweise eigenständig von einander stehen und damit eine aktive Rezeptionshaltung des Zuschauers, der in diesem Falle auch Leser ist, fordern. Die Schrift ist wichtiger Bestandteil der Filmwelt, weil sie Geschichten authentifizieren kann und Funktionen übernehmen, die das Filmbild nicht oder nur mit Mühen leisten kann. Die unterschiedlichen Funktionen von diegetischen Figurationen von Schrift im Film sollen anhand von Filmbeispielen erläutert werden.
Vincent Fröhlich studierte von 2001 bis 2007 Komparatistik, Neuere deutsche Literatur und Islamwissenschaft in Bonn und Bayreuth. Seine Magisterarbeit „1001. Strukturen und Motive aus 1001 Nacht in Büchern und Filmen der Gegenwart“ wird 2010 im LIT-Verlag veröffentlicht. Seit 2007 gibt er verschiedene Lehrveranstaltungen zu Themen wie „Die Beat-Generation“ oder „Literaturverfilmungen“. Seit Oktober 2009 promoviert er am am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zum Thema „Der Cliffhanger. Formen und Funktionen eines Kultur und Medien übergreifenden Erzählmittels“.
Intertextualität als Palimpsest - Funktionen der Palimpsestmetapher bei Salman Rushdie
Jelena Kovacevic-Löckner
In diesem Vortrag steht eine von Gérard Genettes eingängigsten Metaphern für Intertextualität im Mittelpunkt des Interesses: das Palimpsest. Durch den Selbstbezug auf seine Schriftlichkeit sowie durch seinen Fragmentcharakter erfüllt das Palimpsest im Erzähltext nicht nur poetische, sondern auch kulturelle Funktionen. Gerade in der jüngeren transkulturellen Romanliteratur, wie beispielsweise in den Werken von Salman Rushdie, erweist sich die Palimpsestmetapher, sowohl im Kontext multipler Selbstbezüglichkeitsstrategien als auch hinsichtlich der in der transnationalen Literatur ubiquitären Fragen nach Authentizitäts- und Identitätsverlust, als fruchtbar. Die Vorlesung wird den Funktionen der Palimpsestmetapher in ausgewählten Texten Salman Rushdies nachgehen. Es soll gezeigt werden, dass Rushdie innerhalb seiner eklektischen Intertextualität die Palimpsestmetapher zu einem Spiel mit Schriftlichkeit und Mündlichkeit erweitert, in welchem die kulturellen Implikationen verschiedener Medialisierungsformen der Intertexte mitreflektiert werden.
Jelena Kovacevic-Löckner studierte Komparatistik, Anglistik und Kulturwissenschaften an der Universität Münster. Als DAAD–Stipendiatin studierte sie am Zentrum für Deutschland und Europastudien in Breslau. Seit Oktober 2008 ist die Stipendiatin des Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und promoviert zu Shakespeare-Intertexten im Magischen Realismus. Neben Berufserfahrung in diversen Kulturinstitutionen beteiligt sie sich zurzeit an verschiedenen Projekten zum Kulturmarketing im Web 2.0.
Fotografie und Literatur
Anne Hillenbach
Was passiert mit einem schriftlich fixierten literarischen Text, wenn dieser durch Fotografien ergänzt wird? Und was geschieht mit einer Fotografie, die ihr mediales Spektrum durch die Integration eines literarischen Textes erweitert? Um diese beiden Kernfragen wird die Sitzung „Literatur und Fotografie“ kreisen. Vor dem Hintergrund meines Dissertationsprojektes möchte ich verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie Literatur und Fotografie miteinander kombiniert werden können und welche zusätzlichen Bedeutungsdimensionen sich durch diese Medienkombination ergeben können. Bekannte Fotoromane werden ebenso zur Sprache kommen wie moderne Autorencomics und zeitgenössische Fotokunst. Es wird auf grundsätzliche ontologische Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Medien eingegangen, die in den besprochenen Kunstwerken direkt oder indirekt thematisiert werden. Hier spielen vor allem mediale Selbstreflexionen vor dem Hintergrund bekannter Literatur- und Fototheorien eine entscheidende Rolle. Vor dem Hintergrund des Themas der Vorlesung ergeben sich hier vor allem Fragen zum Status der Schrift. In vielen Werken weist diese über ihre Zeichenfunktion hinaus: sie wird selbst zum ästhetischen Objekt und zum visuellen Bedeutungsträger.
Anne Hillenbach studierte von 2002 bis 2007 Komparatistik, Kunstgeschichte und Islamwissenschaft in Gießen. Während ihres Studiums war sie als studentische Hilfskraft am Sonderforschungsbereich 434 „Erinnerungskulturen“ tätig. Seit Oktober 2007 ist Anne Hillenbach Doktorandin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und seit Juni 2008 Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes. In ihrer Dissertationsschrift widmet sie sich dem Thema: „Literatur und Fotografie. Mediale Selbstreflexion und kulturelle Sinnstiftung.“
Geschwindigkeitsdarstellungen in Literatur und Malerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur modernen Wahrnehmungsästhetik
Claudia Anna Gräßner
Mit der Einführung der Eisenbahn zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung ist eine mechanische Fortbewegung und Geschwindigkeit in die Lebenswelt getreten, die nicht nur ein neues Raum- und Zeitgefühl der damaligen Gesellschaft, sondern auch neue Dimensionen in der menschlichen Wahrnehmung hervorgebracht hat. Welchen Niederschlag diese „erste Geschwindigkeitsrevolution“ (Paul Virilio) in Werken der Literatur und Kunst des 19. Jahrhunderts gefunden hat bzw. wie diese Veränderungen von Autoren und Malern registriert und ästhetisiert wurden, soll in der Vorlesung anhand ausgewählter Bild- und Textbeispiele unter interdisziplinären Gesichtspunkten genauer beleuchtet werden. Das Ziel der Vorlesung liegt insbesondere darin aufzuzeigen, wie es bereits im ausgehenden 19. Jahrhunderts, vor der programmatischen Kunstbewegung des Futurismus gelang, für das ambivalente Phänomen „Schönheit und Gefahr bewegter Körper“ – in diesem Fall der Eisenbahn - und das eigentlich „Unfixierbare“ eines Geschwindigkeitserlebnisses sowie der damit einhergehenden beschleunigten Wahrnehmung einen adäquaten literar- und bildästhetischen Ausdruck zu finden.
Claudia Anna Gräßner studierte von 2001 bis 2008 Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Trier. Ihre Abschlussarbeit verfasste sie über „Geschwindigkeit und Bewegung in Literatur und Kunst des 19. Jahrhunderts“. Nachdem sie von 2004 bis 2007 Stipendiatin des Cusanuswerks war, promoviert sie seit 2009 im DFG-geförderten Excellence Cluster Topoi der Humboldt-Universität zu Berlin über „Antike Räume in deutschsprachigen Reiseberichten des 18. Jahrhunderts“. Neben einem Seminar an der Universität Gießen zum Thema „Geschwindigkeitsästhetik in Literatur und Kunst um 1900“ im Sommersemester 2009, leitete sie im Wintersemester 2009/10 ein Kolloquium über „Kulturwissenschaftliche Raumtheorien“ im Rahmen des Topoi Excellence Clusters.
Thomas Demand und Botho Strauß in der „Nationalgalerie“ – zum Verhältnis von Fotografie und Sprache im Kunstkommentar der Gegenwart
Rahel Ziethen
Am Beispiel der Koproduktion des Fotokünstlers Thomas Demand und des Gegenwartsautors Botho Strauß bewegt sich der Vortrag im intermedialen Spannungsfeld von Fotografie und Sprache. Demand gelang es, Strauß zu einer künstlerischen Zusammenarbeit zu gewinnen, die sich in der gemeinsamen Ausstellung Nationalgalerie in der Nationalgalerie Berlin, 2009/2010, manifestierte. Inhaltlich kreist die Ausstellung, wie der Titel ankündigt, um die Frage nach der nationalen Identität. Die Unterschiedlichkeit beider Künstler im Hinblick auf künstlerische Positionierung, Arbeitsmedien, -techniken und -ziele münden in einem spezifischen Ausstellungskonzept, das vielfältige Beziehungen zwischen Fotografie und (literarischem) Text etabliert, mehr aber noch die irreduzible Distanz und Eigenständigkeit von Bild und Kommentar betont. Wenn auf der Homepage der Ausstellung darüber informiert wird, »dass Bilder und Texte in einen engen aber eigenständigen Dialog miteinander treten«, dann wählt dieser Dialog sein Medium in den Köpfen der Ausstellungsbesucher – nicht ohne selbige herauszufordern: Beispielhaft lässt sich an den so genannten Bild-Legenden Strauß’ und den Demandschen Denkmodellen veranschaulichen, wie im Prozess der Rezeption das kollektiv-kulturelle Wissen um historische Ereignisse, deren mediale Verbreitung bzw. Aufarbeitung sowie individuelles Bildwissen und Sprachverstehen produktiv zusammenwirken. Dank ihres Interpretations- und Assoziationsvermögens müssen die Betrachter den intermedialen Beziehungsreichtum kreativ einholen, was nur bedingt gelingt (gelingen kann).
Rahel Ziethen studierte Freie Kunst (Fotografie / Gemengde Media), Sprach-, Kunst- und Literaturwissenschaft in Enschede (NL) und Braunschweig; 1999 Meisterschülerin an der HBK Braunschweig bei Dörte Eißfeldt und Marina Abramovic. 2003 bis 2006 lehrte sie als Sprach- und Kulturwissenschaftlerin an der TU Braunschweig; seit 2006 als wiss. Mitarbeiterin in der Sprachdidaktik, Hildesheim; 2007 als Lehrbeauftragte an der JLU Gießen. In ihrer Dissertation (Re|Auratisierung der Fotografie. Ver|Klärung durch Sprache. Kunstkommentare im Spiegel fotografischer Arbeiten von Cindy Sherman, Nan Goldin, Thomas Demand u.a.) vergleicht Rahel Ziethen Kunstkommentare, die über die Arbeiten zeitgenössischer FotografInnen verfasst worden sind. Sie fokussiert dabei auf das Verhältnis von visueller Gestaltung und Begriffsbildung und differenziert dadurch unterschiedliche Funktionsweisen von Sprache und fotografischem Bild.
Das ,sprachlose’ Medium im Text: Musikkritik nach 1800 als Synthese der Künste
Berenike Schröder
Die Frage, wie und ob das hochkomplexe Medium Musik in Sprache zu übersetzen ist, wird bis heute in Wissenschaft und Kultur immer wieder diskutiert. Um 1800 erhebt die literarische Romantik die Musik zum Medium des Absoluten und ,Unsagbaren’. Paradoxerweise häufen sich jedoch ab 1800 literarische und kulturelle Texte, die versuchen, Musik und ihre Wirkung durch Sprache darzustellen. Die Musikbegeisterung, die romantische Autoren wie Jean Paul oder E.T.A. Hoffmann prägt, bleibt nicht ohne Wirkung auf die „professionelle“ Musikbeschreibung: War Konzert- und Musikkritik im achtzehnten Jahrhundert eher auf die musikalische Fachsprache konzentriert, so treten nach 1800 Änderungen auf. Unter dem Einfluss der Literatur gebraucht die Musikkritik eine zunehmend bildliche und literarisch geprägte Sprache. Der romantische Komponist Robert Schumann, der 12 Jahre lang die „Neue Zeitschrift für Musik“ herausgab, gilt als herausragende Figur dieser neuen Musikkritik. Als musikalisch-literarische „Doppelbegabung“ versucht er, sowohl in seiner Musik als auch in seinem Musikschrifttum die beiden Medien Musik und Sprache auf innovative Weise zueinanderzubringen. Die Vorlesung möchte anhand von Schumanns Beispiel die Musikkritik ab 1800 als Gattung, die zwei Medien in sich vereint, vorstellen.
Berenike Schröder studierte Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Musikwissenschaft in Hamburg und Göttingen.Nach dem Magisterexamen 2006 folgten Aufenthalte als Doktorandin an der University of California (Berkeley) sowie der Universität Freiburg. Während dieser Zeit war sie verstärkt als freie Journalistin vorwiegend im Bereich der Konzertkritik tätig. Seit August 2008 setzt sie ihre Promotion „Monumentale Erinnerung – ästhetische Erneuerung. Die Ästhetik der Intermedialität in den Schriften der Neudeutschen Schule“ als Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und als Koordinatorin des Career Service fort.
Das Internet als Medium und Phantasma
Alexander Friedrich
Das Internet als Leitmedium der Informationsgesellschaft hat eine rege Debatte nicht nur in den Geistes- und Kulturwissenschaften ausgelöst. Längst ist die Frage nach seiner gesellschaftlichen Bedeutung zum Gegenstand öffentlicher Diskurse geworden. Worum gestritten wird, ist die Legitimität der Hoffnungen und Sorgen, die sich mit dem Medium verbinden. So wurde in den vergangenen Jahren nicht nur ein ‚Kulturkampf’ zwischen den Vertretern der klassischen Printmedien und denen der digital natives ausgerufen. Fragen des Urheberrechts und der Datensicherheit sind längst zum Politikum geworden. Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung der Lebenswelt werden einerseits neue Formen weltweiter Kooperation, andererseits aber auch immer umfassendere Kontrollmöglichkeiten eröffnet. Dabei nährt die technische Entwicklung sowohl Utopien als auch Dämonisierungen einer vollständig vernetzen Welt. Die Veranstaltung möchte einen Überblick über historische und aktuelle Diskursformationen geben, die diese Entwicklung begleiten und prägen. Dabei soll vor allem die Metaphorik der kollektiven Imaginationen des Internets in den Blick genommen werden.
Alexander Friedrich studierte Philosophie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Soziologie an der TU Chemnitz. Während seines Studiums war er als studentische Hilfskraft in der DFG-Forschergruppe »Neue Medien im Alltag« tätig. 2006 schloss er sein Studium mit einer Magisterarbeit über Heideggers geschichtsphilosophische Hölderlin-Interpretation während des Zweiten Weltkriegs ab. Seit Oktober 2008 promoviert er als Stipendiat des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) an der JLU zu dem Thema: »Metaphorologie der Vernetzung. Zur Struktur und Dynamik einer kulturellen Leitmetapher«.
Francesca da Rimini – mediale Transformationen einer Episode aus Dantes Divina Commedia in Kunst und Musik
Annette Simonis und Michael Schwarte
Die Geschichte von Paolo und Francesca, des tragischen Liebespaars im 5. Canto der Divina Commedia, gehört zu den bekanntesten Episoden von Dantes Epos und wurde in der Neuzeit weit über Italien hinaus in der europäischen Kultur auf vielfältige Weise rezipiert. Bei der Betrachtung verschiedener Beispiele einer produktiven Rezeption des Stoffs in den unterschiedlichen Medien der Malerei, Literatur und Musik bietet es sich an, nach der jeweiligen Wirkung der medialen Transformation bzw. des Medienwechsels in ästhetischer und diskursgeschichtlicher Hinsicht zu fragen. Inwieweit, so wäre zu überlegen, bilden die medienspezifischen und kulturbedingten Eigenheiten konstitutive Elemente des Überlieferungs- und Transformationsprozesses, die zu interessanten Reinterpretationen und neuen Modellierungen von Dantes Vorlage bei tragen.
Annette Simonis lehrt Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Neuere deutsche Literatur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Michael Schwarte ist Dozent für Musikgeschichte an der Landesmusikakademie Nordrhein-Westfalen in Heek.