
Praktikumsbericht von Jan-Philipp Altenburg, Presse- und Öffentlichkeitsabteilung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Hessen, Bezirksgruppe Mittelhessen e.V. und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Betreuer: Dr. Martin Pott.
Im vergangenen Semester hatte der Career Service des GGK Herrn Dr. Martin Pott, den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung der Bezirksgruppe Mittelhessen von Hessen-Metall und der VhU eingeladen das Berufsfeld der Wirtschaftsverbände vorzustellen. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber Lobbyarbeit in der Wirtschaft, habe ich nach Herrn Dr. Potts Besuch erfolgreich eine Anfrage nach einem Praktikumsplatz gestellt.
Im Praktikum selbst hatte ich die Gelegenheit über sechs Wochen Herrn Dr. Pott bei seiner Arbeit in der Verbändewelt zu begleiten und zu unterstützen. Zu meiner Tätigkeit gehörte in erster Linie (Lobby-) Arbeit in unterschiedlichen Gremien und Arbeitskreisen der Region, die während meiner Praktikumszeit meist im Bereich der Nachwuchsförderung für Berufe in der Metall- und Elektroindustrie lagen. Die Vor- und Nachbereitung von Sitzungen mit Lokalpolitikern, Sozialarbeitern, Gewerkschaftern oder Firmenvertretern gehörtern hierbei zu meinem zentralen Tätigkeitsfeld. Die von mir vorher sehr skeptisch beäugte „Lobbyarbeit“ stellt sich als enge und produktive Zusammenarbeit diverser Interessengruppen von der Kirche bis zu Gewerkschaften heraus. Ob in Arbeitskreisen zum „Girl’s Day“, in Sitzungen von Arbeitsvermittlungsagenturen oder der regionalen Initiative zum Ausbau frühkindlicher Bildung, das Ziel aller Beteiligten war meist das gleiche: Die Unterstützung Jugendlicher bei ihrer Berufswahl und -ausbildung. Als „Lobbyist“ der Wirtschaftsverbände nimmt Herr Dr. Pott dabei fast schon eine Vermittlerfunktion zwischen Interessen der Gesellschaft und Interessen der Wirtschaft ein. Da die von Herrn Dr. Pott vertretenen Firmen meist zu den Geldgebern für Projekte im Rahmen gesellschaftlichen Engagements zählen, müssen z.B. Argumente zum „Wert des Menschen“ seitens sozialer Gruppen für Firmen in „Standortvorteile mit wirtschaftlichen Gewinn“ „übersetzt“ werden. Mit diesem Balanceakt zwischen mehreren „Welten“ muss man sich etwas arrangieren lernen, die gemeinsame und produktive Arbeit hilft dabei allerdings ungemein. Dass man hier u.a. auch mal eine Position vertreten muss, die nicht der Eigenen entspricht, hat mich allerdings während meiner gesamten Praktikumszeit zum Grübeln gebracht.
Daneben gehörten zu meinen Tätigkeiten das Verfassen von Protokollen oder das Schreiben bzw. Überarbeiten von Reden und Ablaufplänen von Sitzungen für Geschäftsführer unterschiedlicher Abteilungen innerhalb der Verbandsstruktur. Die soft-skills meines Studiums, das schnelle Erfassen von Texten und der geübte Umgang mit Sprache haben sich hierbei als unersetzlich erwiesen.
Meine Herkunft aus den Geisteswissenschaften hat in der Wirtschaftswelt keineswegs (wie ich erwartet habe) Befremden hervorgerufen - neben klassischen Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen habe ich zahlreiche „Quereinsteiger“ aus Natur- und Geisteswissenschaften kennengelernt. Allein der Einstieg in dieses Berufsfeld erweist sich als nicht ganz einfach, da Stellen für die man sich als promovierter Geisteswissenschaftler qualifiziert, selten breit ausgeschrieben werden. Netzwerkarbeit scheint hier vor Abschluss des Hochschulstudiums als unumgänglich. Für mich haben sich durch das Praktikum weitere Praktikumsmöglichkeiten ergeben (u.a. bei der Industrie- und Handelskammer oder im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung der Schunk-Gruppe), sowie die Aufforderung, mich nach meiner Promotion wieder zu melden.