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News-Board-Eintrag:
Welche Werte vermitteln Medien?

News-Kategorie:
Eingestellt von: Neill Busse
Eingestellt am: 21.08.2008

GCSC veranstaltet Tagung zu “Values in Literature and the Media and their Cultural Function”

Values Tagung - Foto: Katharina LuhIn welcher Form kommen Wertvorstellungen in verschiedenen Medien zum Ausdruck? Und lassen sich Strategien der bewussten oder unbewussten Einflussnahme ausmachen? Um diese und andere Fragen nach der Vermittlung von Werten durch die Literatur und andere ästhetische mediale Formen ging es auf der zweitägigen Tagung zum Thema „Values in Literature and the Media and their Cultural Function“ vom 4. bis 5. Juni am GCSC in Gießen. Gleich zu Beginn der Tagung fasste Prof. Herbert Grabes, der die Tagung gemeinsam mit Prof. Ansgar Nünning konzipiert hat, das besondere Funktionspotential von Literatur und anderen Künsten zusammen: Die Abwehrmechanismen, die der moderne Mensch unmittelbaren Moralisierungsstrategien gegenüber aufbaut, sind bei der Rezeption von Literatur, Film oder anderen Künsten außer Kraft gesetzt. Die ästhetische Erfahrung genießt eine Distanz, in der ethisches Wirkungspotential frei gesetzt werden kann.

Prof. Dr. Lothar Bredella sprach als erster Vortragender dann konkret über den Begriff der Empathie, der als ethisches Leitprinzip bei der ästhetischen Erfahrung immer mitschwinge und aus dieser auch wieder hervorgehe. Literatur erlaube es dem Leser, sich in einen anderen Menschen hinein zu versetzen und mit fremden Sinnen zu empfinden und zu fühlen. Weniger um Mitgefühl mit fiktionalen Figuren als vielmehr um die Aktualisierung von Wertvorstellungen nach dem Tod ging es in dem Vortrag „Speak, Dead, Speak! Lessons from Hades on Values, Virtues, and Vices“. Darin widmete sich Dr. Sibylle Baumbach der literarischen Form des Totengesprächs und zeigte auf, inwiefern gerade die dialogische Form aufgrund ihrer Multiperspektivität geeignet scheint, sich kritisch mit Wertvorstellungen auseinander zu setzen und auf ihre Historizität zu verweisen.

Während sich die meisten Vorträge der teilnehmenden ProfessorInnen, Post-DoktorandInnen und DoktorandInnen mit literarischen oder digitalen Fiktionen auseinandersetzen, weiteten Dr. Sonja Altnöder und Dr. Martin Zierold in ihrem Vortrag den Blick auf die Praxis der Informationsmedien und konkret auf den diskursiven Prozess der Skandalisierung. Sie fragten u.a. nach den Entstehungsmechanismen von Medienskandalen und die durch diese hervorgerufene Offenlegung und ggf. Modifizierung moralischer Grenzziehungen von Gesellschaften.

Ebenfalls sehr aktuellen Untersuchungsgegenständen widmeten sich Kirsten Pohl in einem Vortrag zur Simulation von Gewissenskonflikten in Computerspielen und Uwe Meyer, der über Harry Potters Konsumverhalten referierte. Insgesamt zeichnete die Tagung so ein umfassendes Bild medialer Formen der Repräsentation und Inszenierung von Wertvorstellungen. Die Beiträge werden in einem weiteren Band der GCSC Series veröffentlicht.

Kirsten Pohl und Mirjam Bitter

© Foto: Katharina Luh